Notfallhilfe

Schwache/Verletzte Taube

Stadttauben sind domestizierte Haustiere, die in unseren Städten auf Menschen angewiesen sind. Schwache oder verletzte Tauben können sich oft nicht mehr selbst helfen – ohne Hilfe sterben sie fast immer, meist im Versteck oder nach einem letzten Fluchtversuch. Viele Menschen zögern aus Angst vor Krankheiten oder aus Unsicherheit, was sie tun sollen. Dabei übertragen Stadttauben im Alltag nicht mehr Krankheiten als andere Stadtvögel Quelle. Diese Checkliste hilft dir, eine hilfsbedürftige Taube zu erkennen, sie zu sichern, ihr einfache Erste Hilfe zu geben und sie an eine Pflegestelle oder vogelkundige Praxis zu vermitteln.

Schritt 1

Vorbereitung

Die Taube kann plötzlich flüchten – nicht, weil du ihr schadest, sondern wegen des Fluchtreflexes. Gute Vorbereitung macht dich ruhiger und die Rettung sicherer.

  • Kurzes Video der Taube aufnehmen (Bewegung, Haltung, Umgebung)
  • Screenshot des Fundorts (z. B. über Karten-App) machen
  • Jacke oder Tuch zum Einwickeln der Taube bereitlegen
  • Transportoption wählen: Jutebeutel, Karton mit Luftlöchern oder unter der Jacke tragen
  • Wenn möglich andere Personen um Hilfe bitten
  • Kurz verinnerlichen: Dein Handeln rettet diesem Tier wahrscheinlich das Leben.

Schritt 2

Sichern

Ziel: Die Taube schnell und sicher aus der Gefahrenzone bringen. Eine Box ist hilfreich, aber kein Muss – Hauptsache, sie ist geschützt und kann nicht flüchten. Oft nutzen Tauben noch ihre letzte Kraft um wegzufliegen, bevor sie sterben.

  • Fluchtweg abschneiden (z. B. langsam nähern und den offenen Weg blockieren)
  • Jacke/Tuch vorsichtig über die Taube werfen oder flugunfähige Taube direkt aufheben
  • Taube vorsichtig in Tuch oder Jacke einwickeln, damit sie nicht wegfliegen kann
  • Sicher verstauen: z. B. in Karton, Tasche oder unter der Jacke tragen

Bitte vermeiden:

  • Nicht auf die Straße oder Gleise drängen
  • Nicht einquetschen oder in den Rucksack stecken

Schritt 3

Nach Verletzungen schauen

Ein kurzer Check hilft, die Dringlichkeit einzuschätzen und der Pflegestelle oder Tierärzt:in wichtige Infos zu geben.

  • Auf offene Wunden achten (auch zwischen den Federn)
  • Beine prüfen: Verschnürungen, Fehlstellungen oder Brüche erkennen
  • Flügelzustand prüfen: Hängeflügel, nicht anlegbare oder schleifende Flügel
  • Kopf und Augen kontrollieren: Entzündungen, Schwellungen, verklebte Augen
  • Auf Pocken/Beulen achten (für Menschen ungefährlich, aber wichtig für Fachleute)
  • Brustkorb vorsichtig abtasten (fühlt es sich sehr scharfkantig an? Gibt es versteckte Wunden unter den Federn?)

Schritt 4

Hilfe organisieren: Pflegestelle & Tierärzt:in

Du musst die Versorgung nicht allein übernehmen. Ziel ist, Erste Hilfe zu leisten und das Tier dann an erfahrene Helfer:innen zu übergeben.

  • Tierarzt oder Tierärztin anrufen (möglichst vogelkundige Praxis, siehe Kontaktliste unten)
  • Gruppe auf Facebook oder andere Online-Gruppe kontaktieren, um eine Pflegestelle oder erfahrene Privatperson zu finden Gruppe Taubennotfälle Berlin
  • Stadttauben-Projekt (z. B. Stadttauben Projekt Berlin e. V.) oder ähnliche lokale Initiative anfragen Link

Bitte vermeiden:

  • Nicht einfach wieder aussetzen
  • Vorsicht: Kliniken schläfern Tauben meist routinemäßig ein

Schritt 5

Stabilisieren: Ruhe, Dunkelheit & sichere Unterbringung

Wenn das Tier gesichert ist, geht es darum, es warm, ruhig und sicher unterzubringen, bis es in fachkundige Hände kommt.

  • Taube in eine dunkle, ruhige Box setzen (Karton/Transportbox mit Luftlöchern)
  • Weiche, saugfähige Unterlage einlegen (Zeitung, Küchenrolle, Handtücher)
  • Box so positionieren, dass die Taube ohne Stress zur Ruhe kommen kann
  • Wenn die Taube kalt, geschwächt oder unterernährt wirkt eine zimmerwarme Wärmflasche/Wärmekissen bereitstellen (ca. 26 °C, nicht heiß)
  • Keine Wärme bei Verdacht auf Anflugtrauma (Taube wirkt benommen, taumelt, sitzt aufgeplustert nach Aufprall)
  • Bei Futterfragen: Profis oder Pflegestelle kontaktieren, bevor du irgendetwas gibst

Bitte vermeiden:

  • Kein Wasser einflösen (tritt Wasser in die Luftröhre kann die Taube innerhalb von Stunden sterben, selbst wenige Tropfen können lebensgefährlich sein)
  • Nicht zu heiß wärmen, insbesondere bei Jungtauben
  • Keine Zwangsfütterung und keine Milch

Für die Tiere

Danke, dass du nicht weggeschaut hast.

Diese Taube hatte dank dir eine Chance – weil du Mitgefühl gezeigt hast.

Jeden Tag stehen Milliarden anderer Tiere vor dem Tod – nur sehen wir es selten. Denn die Opfer hinter Fleisch, Fisch, Milch, Eiern, Pelz und Leder bleiben unsichtbar.

Das Mitgefühl, das du hier gezeigt hast, spiegelt deine wahren Werte.

Worauf, glaubst du, hoffen Tiere in den Schlachthäusern?
Verdienen sie dieselbe Chance wie die Taube – oder den Tod?
Wer möchtest du sein: ihre Hoffnung oder ihr Henker?
Sind Tiere mit uns - oder für uns da?
Dürfen wir ihnen das Recht auf Leben und Freiheit nehmen?
Ist etwas gerecht und richtig nur weil es normal ist?

Bleib deinen Werten treu: Lebe vegan.

Weiterführende Hinweise

Vogelkundige Tierärzt:innen in Berlin